01. Nie aufgeben.
02. Rennen.
03. Immer weiter machen.
04. Keinen Ball verloren geben.
05. Immer nachsetzen.
06. Noch mehr rennen.
07. Mannschaftsdienlich sein.
08. Mit Leistung überzeugen statt mit Worten.
09. Wichtige Tore schießen.
10. Rennen.
Das sind die zehn Gebote. Die 10 Gebote des Ivica Olic. Und so treu wie er die gestern Abend befolgt hat, hat er sich seinen Platz im Fußball-Paradies sicher schon verdient.
Der Duracell-Hase, der Dauerläufer, der Knipser. Mario Gomez sagte in einem Interview mal über ihn: “Manchmal steht er neben mir und ich denke: ‘Ach du Scheiße, jetzt fällt er gleich tot um.’. Aber kaum denke ich das, rennt er los und sprintet 40 Meter über den Platz.”.
Wenn irgendwelche Journalisten meinen, sie müssten neue Wörter erfinden, um das Spiel des Lionel Messi zu bezeichnen, dann hat Ivica Olic genau das verdient. Er spielt nicht spektakulär, er ist technisch lange nicht so versiert wie der kleine Argentinier, aber er spielt nach den zehn Geboten des Ivica Olic.
Gestern waren keine drei Minuten gespielt, als der Kroate einem viel zu langen Ball nachsetzte, Cris in Bedrängnis brachte, den Ball in die Mitte spielte und somit mustergültig die erste 100%ige Torchance durch Thomas Müller auflegte. Ein typischer Olic. Kein Stürmer der Bundesliga, wahrscheinlich kein Stürmer der Welt, wäre diesem Ball ins Nirgendwo so hinterher gerannt. Wirklich keiner.
Ich wünsche mir jedes Mal, wenn die Bayern in der Champions League spielen, dass van Gaal seinen Torjäger in der 90. Minute auswechselt. Sat1 blendet bei ausgewechselten Spielern immer die Laufleistung ein. Leider wurde mir dieser Gefallen bisher noch nicht getan. Aber ich bin gerne bereit, Tipps und Wetten anzunehmen. Locker mehr als zwölf Kilometer.
Seine drei Treffer am gestrigen Abend bringen ihm endlich die Aufmerksamheit, die er in diesen Wochen verdient. Was viele nämlich gar nicht wissen: “Ivica” ist kroatisch und bedeutet “Mann, der die wichtigen Tore schießt”. Daheim gegen Manchester, in Manchester, bereits im letzten Gruppenspiel in Turin war er es, der das 1:1 besorgte. Gegen Hannover brach er mit seinem 1:0 den Bann und stieß das Tor zum Schützenfest weit auf.
Vor der Saison waren die Experten sich großteils einig: Mario Gomez würde diese Saison an der 30-Tore-Marke kratzen. 35 Millionen hatten die Bayern an Stuttgart überwiesen. Kostenpunkt für Olic: Null Euro, ein bisschen Gehalt und einmal pro Woche 4,99€ für ein Päckchen Duracell-AA-Batterien. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, was der Ex-Hamburger schon wieder eingebracht hat. Mario Gomez hingegen bleibt den Beweis seiner Klasse in München weiterhin schuldig.
Weiter verdeutlicht wird dies an der unfassbaren Beliebtheit von Olic. Während Gomez oder Klose gerne mal ausgepfiffen wurden, habe ich noch kein Spiel erlebt, in dem Olic nicht mit Sprechchören gefeiert wurde. Selbst wenn er einen unglücklichen Tag hat und kein Tor schießt. Er gibt alles. Er befolgt seine höchsteigenen zehn Gebote. Und dafür lieben ihn die Fans. Ein Arbeiter. Einer der sich für nichts zu schade ist. Einer, dem es egal ist wer das Tor macht, hauptsache der Ball rollt irgendwie über diese Torlinie. Beim 2:1 auf Schalke bereitete er das 2:0 genau so vor. Einen Sprint in die Gasse, den Ball quer auf Müller, 2:0. Sicher ist es leicht das zu behaupten, aber ich glaube ein Gomez hätte versucht ihn selbst zu machen und wäre an Neuer gescheitert. Ein Klose hätte den Querpass versucht und in den Rücken von Müller gespielt.
Dieser Olic ist mehr wert als die Bayern ihm bezahlen. Und das wissen sie. Der Bloggerkollege Breitnigge, seines Zeichens Bayernfan, behauptet, dass die Verpflichtun von Olic “neben dem Robben-Transfer [..] die beste Tat des FC Bayern der letzten 10-20 Jahre war.”
Ich habe die Transfers der Bayern der letzten 20 Jahre leider nicht im Kopf. Aber ich glaube schon, dass man Ivica Olic in einem Atemzug nennen kann mit Arjen Robben oder Franck Ribery. Mit Luca Toni oder Giovane Elber. Und um die Frage des Sat1 Reporters von gestern Abend noch einmal aufzugreifen: “Was heißt eigentlich ‘Gerd Müller’ auf kroatisch?”.


